• Die Portugiesischen Azulejos (Fliesen)

In der gesamten portuguiesichen Architektur schmücken “Azulejos” in leuchtenden Farben die Fassaden der Gebäude. Diese über 500 Jahre alte Tradition ist weltweit eine der ältesten Kunstform, um Fassaden und Räume individuell und wertvoll dekorativ zuverzieren. Das Wort “Azulejos” leitet sich von dem arabischen Begriff “Al zuleiq” ab, welches “Kleiner polierter Stein” bedeutet.

 

Die Geschichte der Azulejos reicht weit in die Vergangenheit zurück. Die ältesten Einzelexemplare datieren vom Beginn der portguiesischen Nation und die ersten bedeutenden Fliesebilderkompositionen gehen auf das 16. Jhd zurück. Als Vorbilder dienten ihnen die Fliesen spanisch-maurischer Herkunft, die während der arabischen Besetzung der iberischen Halbinsel entstanden. Diese leicht reliefierten, mehrfarbigen Fliesen wiesen geometrische oder abstrakte Motive auf und schmückten zunächst die Innenräume von Kirchen und Palästen.

 

Mitte des 16. Jhd. enstand die Majolika- bzw. Fayence-Technik. Diese importierte innovative Technik aus der italenischen Renaissance Zeit ermöglichte, dass direkt auf einer mit einer weissen Zinnglasur überzogenen Oberfläche bildhafte Darstellungen gemalt werden konnten, so dass diese Azulejos kunstvolle Gemälde aufwiesen.

Portugal besitzt davon einige Meisterwerke. Zu besichten, im Museu National do Azulejo in Lissabon, Palacio dos Marqueses de Fronteira in Lissabon, in der Quinta da Bacalhoa in Azeitao südlich von Lissabon, Igreja de São Lourenço in Almancil-Algarve oder in Coimbra in der Kirche-“Sé Velha”.

 

Im 17. Jhd. durchlebte Portugal eine wirtschaftliche Krise und die Meister wurden durch Kunsthandwerker ersetzt, die eine nüchternere künstlerische Form schufen. Diese kehrte zurück zur ornamentalen Tradition, bei der naïve Fliesenbilder mit einer Dekorkante eingefasst wurden.

 

Ende des 17. Jhd. erfuhr der Adel durch den wirtschaftlichen Aufschwung eine neue Ära des Wohlstandes. Eine intensive Bautätigkeit setzte ein und erst jetzt wurden die Aussenwände ganzer Häuser mit Azulejos verkleidet.

Die blauen Farbe erschien, als Reflexion der holländischen Delfter Fayence.

Die Fliesenkunst beherrschte fast die ganze Zeit des Barocks und wurde fast zum Synonym für die Azulejos. Sie ist ein Beitrag der holländischen Kunsthandwerker, die damit der Vorliebe der Epoche für chinesischiches Porzellan gerecht werden wollten, das die Portgugiesen in Europa verbreiteten. Es handelt sich um mit einem zart gezeichneten Einzelmotiv wie Figuren, Tiere oder Blüten versehene Fliesen. Das Aufkommen der blau-weissen Azulejos ist demzufolge das Ergebnis des Kontaktes der portugiesischen Seefahrer mit den Kulturen des fernen Ostens.

Ein anderes interessantes Beispiel für diese überseeischen Einflüsse sind die indischen Motive bei den Altarretabeln.

 

Die Entstehung der barocken Azulejos fällt zusammen mit der Herrschaft von König Joaõ V. Der Überfluss während dieser Epoche wurde finanziert durch das Gold und die Diamanten aus Brasilien. Zum ersten Mal war es eine einflussreiche Schule portugiesischer Meister, die für Kirche und Adel bestimmte Fliesenbilder gestaltete und ausführte.

Berühmte Namen wie Oliveira Bernardes, António und Policarpo stehen für monumentale Fliesenpaneele in ganz Portugal.

 

Im 19. Jhd. waren die Fassaden ganzer Häuser in Lissabon, Porto und anderen Städten vollständig mit Azulejos verkleidet. Diesen Brauch brachten nach Portugal zurückkehrende Immigranten aus Brasilien mit, wo seit dem 18. Jhd. Fliesen als Material benutzt wurden, um Fassaden zu isolieren und vor Erosion zu schützen.

 

Ende des 19. Jhd. und zu Beginn des 20. Jhd. dekorierte der auf historische Motive spezialisierte Maler Jorge Colaço in verwenderischer Pracht das Palasthotel von Buçaco. Geschickt verlieh er volkstümlichen Bildern Ausdruck und stellte historische Ereignisse und literarische Themen bildlich dar. Andere in vielen Fällen unbekannte Künstler übernahmen diese Tradtion und schufen Werke, die von einem neuen Interesse für diese so typische portugiesische Kunst zeugen.